Die Alte Jungfer

Alte Jungfer mit Maske

Die Teilnahme von Frauen am Fasnachtsgeschehen beschränkte sich bis in die jüngste Zeit auf die Ausübung des "Frauenrechts" am Aschermittwoch. Narrenlauf war eine reine Männersache. Es gab manchenorts wohl Bräuche, die von Frauen ausgeübt wurden. Ob und inwieweit in früheren Zeiten, am Ablauf des Fasnachtsgeschehens unserer früheren Landeshauptstadt Innsbruck gemessen, gleichartiges auch in Waldkirch praktiziert wurde, läßt sich bei den uns überkommenen mangelhaften schriftlichen Nachrichten nicht näher bestimmen. Als älteste urkundliche Nachricht findet sich in einem Rechnungsbuch des vergnügungslustigen und frauenfrohen Herzogs Sigismund des Münzreichen vom Jahre 1460, daß er den Weibern von Hötting (Vorort von Innsbruck, jetzt Stadtteil), 2 rheinische Gulden verabreichen ließ, als sie am Aschermittwoch das Bloch zogen. Eine landesfürstliche Verordnung von 1569 wollte das Blochziehen auf einen Tag vor dem Aschermittwoch verlegt haben. Aber der Landesfürst, Erzherzog Ferdinand II., hatte es nicht eilig, dieses Verbot durchzusetzen. Trotz Verboten und Einführung des 40-stündigen Gebets hielt es lange an, bis das Blochziehen abkam. Die Frauen blieben aber dennoch vielerorts bei ihrer Feier am Aschermittwoch. Noch 1657 gab die Gemeinde Buchholz den Weibern am Aschermittwoch eine Spende von 8 Schilling 6 Pfennig.

 

 

 

Historische Aufnahme einer Gruppe "Alter Jungfern"

 

 

Kirchengebote waren in neuerer Zeit dafür bestimmend, daß unter dem Einfluß katholischer Frauen die üblichen Kaffeekränzle am Aschermittwoch auf den Fasnachtsdienstag verlegt wurden. "Alte Schachteln" auf den Straßen wurden schon lang und hauptsächlich beim Schnurren oft gesehen. Es handelt sich daher um keine Neuschöpfung, wenn im Jahre 1957 die Narrenzunft dazu überging, sich dieser, für die Fasnet wichtigen Narren anzunehmen, und sie in den Schutz der Zunft zu stellen. Dies umso mehr, als in den Jahren nach dem letzten Krieg, hauptsächlich am Schmutzigen Dunschtig, sich Gäste von auswärts breitzumachen versuchten, die zur Fasnet ein sehr kurioses Verhältnis an den Tag legten und sich des Grundsatzes bedienten: "An Fasnacht ist alles erlaubt!" So wurde es für Frauen oft schwer, wenn nicht gar unmöglich, das uralte Rügerecht ohne belästigt zu werden, auszuüben.

home
email
Impressum
Suchen
Sitemap
Seite empfehlen