Während die Gestalt des Hemdglunkers offensichtlich aus dem Dunkel der Vorzeit hervorgegangen ist, und in seinem Gehabe mit kultischen Handlungen der Frühzeit in enger Verbindung steht, ist der Bajaß die Gestalt eines Spaßmachers, dem man von weitem schon ansieht, daß seine Wiege nicht in den rauhen Regionen des Schwarzwaldes zu suchen ist. In seinem Gewand gleicht er einem Harlekin. Die langen Ohren seiner Kappe sind zu Hörnern erstarrt. Sein Kleid ist allum mit klingenden Schellen besetzt. Als Narrenschwert trägt er eine Pritsche. Alte Waldkircher wie August Hug (geb. 1849) und Dr. Richard Vetter (geb. 1870), die sich noch lebhaft an den Bajaß und seinen gleichnärrischen Bruder, den Hanswurst, erinnerten und sie noch in der Waldkircher Fasnet miterlebten, wußten viel von diesen Fasnachtsgestalten zu erzählen. Dr. Vetter trug selbst noch als Kind einen Bajaß.
Die im 17. Jahrhundert aus Savoyen, hauptsächlich aus Sallanches, in Waldkirch eingewanderten Händler waren nicht nur gute Geschäftsleute, sondern pflegten in ihrer neuen Heimat auch ihre hergebrachten Sitten und Bräuche. Und diese zeigten deutliche Merkmale des angeborenen südlichen Naturells. Doch die Kunde von ihnen hätte uns nie erreicht, wenn nicht in Waldkirch vor dem Stadtgericht ein merkwürdiger Fall zur Sprache gekommen wäre. Am 13. März 1727 klagte nämlich eine Rosina Henneberger gegen den Savoyarten Anton Salomon. Sie beschwerte sich, dieser habe an der letzten Fasnet während des Tanzes im »Löwen« in seiner Kappe ein steinernes Messerheft verborgen gehabt und mit der Kappenspitze ihr ein Loch in den Köpf geschlagen. Neben dem Ersatz der Arztunkosten verlangte sie Genugtuung. Salomon wurde zur Rede gestellt und gab zu er habe sie zwar geschlagen, und das nicht ohne Ursache. Indessen aber habe er nicht gewußt, daß er etwas in der Kappe habe, denn ohne sein Zutun habe man ihm in dem Bongartschen Haus »ein kristallene Zunge«, wohl ein Messerheft, hineingetan. Es kam zu einein Vergleich. Salomon mußte bezahlen.