|
Die Chronik wird als Auszug aus dem Buch "Fasnet in Waldkirch" (Hrsg. Narrenzunft Krakeelia Waldkirch) gestaltet. Derzeit liegt ein erster Teil der Chronik ohne Bildmaterial vor.
Im Dezember 1864 erließ eine Anzahl Waldkircher Bürger und Bürgersöhne einen Aufruf zur Gründung einer »Gesellschaft behufs Förderung des geselligen Lebens in der Stadt Waldkirch.« Der Erfolg ließ nicht auf sich warten.
Am 7. Januar 1865 erhielt die neue Gesellschaft »Krakeelia« im Gasthaus zum Adler ihre Gründungsversammlung.
Der Präsident legte die Vereinssatzungen vor, die von 28 Mitgliedern durch Unterschrift angenommen wurden. Präsident war der Wurster August Schul, Schriftführer der Bäckermeister Karl Joos, Kassierer der Adlerwirt Anton Bayer, Ausschußmitglieder Ratschreiber Theodor Högerich und Büchsenmacher Sales Mack. Die Mitgliederliste enthält die Namen angesehener Bürger. Stark vertreten ist darauf die Familie Bruder mit: Franz Josef, Josef, Josef Anton, Ignaz und Wilhelm. Dann waren dabei: Adolf Adam, Adolf Disch, Wilhelm Dold, Julius Figy, August Flaig, August Hoch, Fr. K. Hoch, Andreas Kaltenbach, Emil Kirner, Hermann Litzelmann, Gustav Pfeffer, Adolf Ruth, Glaser Schill, Wilhelm Schill, Xaver Schindler, Wilhelm Schwab, J. Trenkle und G. Weber. Der Inhalt der Satzung ist nicht uninteressant. Schon § l überrascht. »Der Verein hat einzig den Zweck, das gesellschaftliche Leben in Waldkirch zu fördern und zu unterstützen.« Dann § 5: »Die Unterhaltungen der Gesellschaft bestehen l. in Bällen und Tanzunterhaltungen, 2. in musikalischen und deklamatorischen Vorträgen und 3. in gewöhnlichen Versammlungen, wobei verschiedene Unterhaltungsspiele stattfinden.« § 7: »Gesellschaftstage sind in der Woche ein oder zwei, welche von den Vorstandsmitgliedern noch besonders bestimmt werden.
Erstaunlich, wie rege die Vereinsarbeit einsetzte. Und dann § 11: »Es wird vorausgesetzt, daß sich kein Mitglied dem Ersuchen musikalische und deklamatorische Unterhaltungen durch Mitwirkung zu unterstützen, entzieht, sondern möglichst durch eifriges Zusammenhalten beitragen werde.« Vergeblich suchen wir nach einem Hinweis auf Fasnachtsveranstaltungen. Ein einleuchtender Grund ist nicht zu erkennen, liegt doch schon im Namen »Krakeelia« eine ziemlich eindeutige Aussage über die im Vereinsbetrieb zulässige Lautstärke. Trotz der aus der Satzung nicht erkennbaren Absicht war eine große und großartige Fasnachtsveranstaltung nach außen hin die erste Gelegenheit, bei welcher sich die Gesellschaft der Öffentlichkeit vorstellte. Über die Erwerbung der Mitgliedschaft sagt § 2 der Satzung: »Mitglied kann jeder von unbescholtenem Rufe und mit gehörigem Grad von Anstand und Bildung werden und hat sich zur Aufnahme bei dem Präsidenten zu melden, welcher dann, wenn er gegen die Aufnahme nichts zu erinnern hat, den Namen des Angemeldeten in dem Gesellschaftslokal an die Tafel schreibt und nach dem Verlauf von 14 Tagen zur Ballotage bringt. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Präsident.« »Jedes Mitglied zahlt« nach § 12 »einen jährlichen Betrag von l Gulden, der zu Anschaffung von Musikalien & Leseschriften und Unterhaltungen etc. verwendet wird. Neu eingetretene Mitglieder zahlen ein Eintrittsgeld von 30 Kreuzern.« § 8 bestimmt, daß das Gesellschaftslokal im Gasthaus zum Adler im Saal des zweiten Stockes, bei kleinen Versammlungen und Beratungen im unteren Stock im Nebenzimmer ist. Nachdem das Großherzogliche Bezirksamt dem Antrag der Gesellschaft »Krakehlia« vom 12. Januar 1865 noch am gleichen Tag zustimmte und verlangte, daß Änderungen der Satzung, des Vorstands und des Gesellschaftslokals anzuzeigen sind, wurde ein weiteres Gesuch des Präsidenten vom Bezirksamt genau so schnell beschieden. Am 20. Januar 1865 verfügte es, daß dem Vorstand des nicht politischen Vereins »Krakehlia«, Herrn August Schill, dahier zu eröffnen sei, man habe gegen Befreiung von der Einhaltung der Polizeistunde in einem Gesellschaftslokale des Adlerwirtshauses im Saale des 2. Stockes und resp. in dem Nebenzimmer der Wirtsstube des unteren Stocks nichts zu erinnern. In der Führung der »Krakeelia« trat am 25. Februar 1870 ein Wechsel ein. Bäckermeister Karl Joos wurde einstimmig zum Präsidenten gewählt.
Die Führung des Protokollbuchs ließ sehr zu wünschen übrig. Nach einem Eintrag von 1870 folgen erst wieder Aufzeichnungen ab 1897. (Die früher verbreitete Behauptung, das alte Protokollbuch sei verbrannt, entbehrt jeder Wahrscheinlichkeit). Allem Anschein nach, hatte aber der anfängliche Elan stark nachgelassen. Aus den erhalten gebliebenen Festprogrammen, deren lückenlose Folge nicht erwiesen ist, geht hervor, dass doch all paar Jahre ein großer Umzug abgehalten wurde. Von der Volksfasnacht, die unabhängig von den Aufführungen der »Krakeelia« alljährlich in den alten Gassen ihr Wesen trieb, haben wir leider keine Kunde. Dafür berichtet das Fest-Programm von 1876 wieder von einer Großveranstaltung. Aktuelles und Erfundenes gaben sich ein vergnügtes Stelldichein. Die Geschichte mit der in jener Zeit abhanden gekommenen Feuerwehrfahne wird neben anderen Dingen nicht weniger glossiert, wie der »Unglaubliche Jubel über das letztjährige Bilanzergebnis der Kirchwälder Bank« (Gewerbebank). Auch die Schließung des im Dezember 1875 eingegangenen Lehrinstituts von Dominikus Gaeß im Hotel »Schwarzstift« wird in einer Fußnote erwähnt. Den »Großen Zigeuner-Aruck« am Fasnachtdienstag kündigte der Narrenrath im Hornung 1882 an. Dieses Mal versprach nicht allein der Programmzettel ein Erlebnis. Eine kolorierte Fotografie lässt ahnen, mit wie viel Geschmack und Geschicklichkeit Zigeunerzug und lager inszeniert wurden. Wie es scheint, handelte es sich um eine Wiederholung. Aus dem Umschlag der Partitur und den Singstimmen für einen vierstimmigen Chor steht geschrieben: Zigeunerlied für gemischten Chor zur Fasnacht 1875 von Th, Högerich. Über die Fasnacht jenen Jahres liegen leider keine weiteren Nachrichten vor.
Am Fasnachtsmontag 1890 hielt Seine Hoheit, der Sultan von »Dares-Salaam«, mit seinen 4 Lieblingsweibern feierlichen Einzug. Wie es scheint, war der Turnverein maßgeblich an dieser Aufführung beteiligt. Der Sultan zog unter Vorantritt des l. Kläpperregiments, vom Pfauen kommend, auf den Vierbäckerplatz beim »Bayrischen Hiesel« (Marktplatz).
1894 erscheint wieder, wie schon 1876, eine Karikatur des »Joos-Beck« auf dem Programm. »Der Carneval kommt!!! nach Waldkirchs schönsten Orten« steht auf der Programmfahne. Wieder stellte die »Schlapperklangarde«, ausgeführt von den Zöglingen der verplatzten Gewerbebank, die Spitze des Umzugs, bei dem die Weltausstellung von Chicago neben verschiedenen örtlichen Begebenheiten stark hervorgehoben wurde.
Auch 1895 ist wieder ein feierlicher Einzug. Diesmal mit den sehenswertesten Überresten von der Weltausstellung Antwerpen. Auch diesmal stehen viele der 19 Gruppen nicht unmittelbar in Zusammenhang mit dem Umzugsthema. Beachtlich ist der Erfindungsreichtum der Akteure, wenn auch der Sinn der Programmnummern nicht immer deutlich zu erkennen ist. Im Jahre 1897 setzen wieder die Einträge im Protokollbuch ein. Aus einem Gesuch vom 13. 2. 1895 an das Großh. Bezirksamt Waldkirch wegen Sammelerlaubnis von Spenden geht hervor, dass Theodor Högerich und Max Bauer Narrenkommite-Vorstände waren. Es wurde eine Geldsammlung von Haus zu Haus veranstaltet, aber auch die darstellenden Gruppen (Moritatensänger, Zigeunerbande, Seiltänzer und dergl.) wollen beim Umzug für die ihnen entstandenen Kosten sammeln.  - Elzthäler 1897
Die Generalversammlung vom 18. Januar 1897 wählte Theodor Högerich zum Vorstand. Von den alten Mitgliedern war außer Högerich nur noch der Schuhmachermeister Carl Trenkle geblieben. Wie es scheint, war der Vereinsbetrieb seit einigen Jahren ins Stocken geraten. Unter der tatkräftigen und erfahrenen Leitung von Theodor Högerich war bald ein neuer Aufstieg festzustellen. Gleich in dieser Versammlung kamen 35 neue Mitglieder zum Verein, darunter auch der »Kanalschorsch« (Georg Elsenhans) und Gustav Braun. Am 21. Januar wurden wieder 20 neue Mitglieder aufgenommen. Nach einem Zapfenstreich fand am 25. Januar im Bayersepplesaal die Vorbesprechung für den großen Umzug statt. In einer weiteren Versammlung wurden am 29. Januar, aus nicht näher ersichtlichen Gründen, Max Ams in New York, sowie Franz Josef Rau und Karl Rau in Rochester zu Ehrenmitgliedern der Krakeelia ernannt. Wahrscheinlich hatten sie der »Krakeelia« eine Spende zukommen lassen. Nach umfangreichen Vorbereitungen, die Theodor Greiner als Schriftführer sehr anschaulich im Protokollbuch niedergeschrieben hat, war der 2. März der große Tag. Das Umzugsthema, eine Idee von Hermann Rau: Afrika in Waldkirch, veranstaltet von der nach 25jähriger Abwesenheit in Afrika auf Waldkirch heruntergekommenen jungfräulichen Krakeelia. Die Reichhaltigkeit überrascht nicht weniger wie der Ideengehalt. Bei nachgelassenem Regenwetter setzte sich der Umzug um 2 Uhr vom Bahnhofplatz aus in Bewegung. Voraus fuhr eine »Straßenreinigungsmaschine«, die für die zahlreichen Gruppen den Weg bahnen musste. Dem Motto zufolge war alles exotisch. Aus deren Fülle des Gebotenen soll der Wagen mit dem Sultan von Großpopo, der, umgeben mit einem gutausgestatteten Harem, huldvollst von seinem Throne aus die Gäste begrüßte, erwähnt werden. Zu seiner Begleitung stand eine Leibtrabanten-Compagnie zur Verfügung. Ihnen folgte in respektvollem Abstand der Riesenelefant »Jumbo«. Die Lebensweise einer Kannibalenfamilie, in deren Küche die Menschenfresser ihre Kost zubereiteten, fand beim Publikum großen Beifall. Große Beachtung galt auch der afrikanischen Schnell-Sonnen-Bäckerei. Mühle und Bäckerei bildeten ein Ganzes. Die Mühle klapperte, während die geschäftigen Bäckerburschen die fertigen Backwaren dem Ofen entnahmen und unter die Zuschauer verteilten. In das Geklapper der Mühle mischte sich die wohlorganisierte Musik der 7. und 8. Negerknabenklasse, welcher alsdann die Kolonialschule folgte, die durch die satyrischen Witze des Lehrers die Aufmerksamkeit der Zuschauer in hohem Maße auf sich zog und ungeheuer Heiterkeit hervorrief. Für diese Kolonialschule hatte der Gemeinderat zwei echte Schulbänke zur Verfügung gestellt. Der als Lehrer fungierende Darsteller soll, wohl auf Grund eigener und längerer Berufserfahrung, seine Rolle so eindrucksvoll und echt gespielt haben, dass seine Versetzung hernach nicht mehr lange auf sich warten ließ. Die Geschichte der »Krakeelia« im 19. Jahrhundert soll nicht abgeschlossen werden ohne den Erlebnisbericht des Oberwindener Sattlermeisters Engelbert Volk. »Der Hauptplatz war immer auf allen Programmen der Platz Baschi-Marei. Ohne diese hätte man damals in Waldkirch keine Fasnacht halten können. Ein Original von einem Weibsbild. Das kleine Wohnhäuschen, wo (jetzt) die evangelische Kirche steht, machte einen ganz historischen Eindruck. Der Volksmund sagte, wer das Haus (der) Baschi-Marei betritt, müsse aus Achtung vor dem hölzernen Dachtrauf den Hut herunterziehen, weil er so nieder herunten war. Die Schweine hatte sie (die Baschi-Marei) immer angebunden wie Kälber und Rinder . . . Niemand soll glauben, dass damals in Waldkirch keine Männer waren, die historischen Begebenheiten vor Augen zu führen. Ohne Eisenbahn war es in diesen Tagen eine wahre Völkerwanderung das Elztal herunter auf den Platz »Baschi-Marei« . . . Als ich dann im Jahre 1873 nach Wien zu Fuß reiste und in dem schönen Innsbruck übernachtete, kam der Wirt mit meinen Papieren an einen Tisch, an dem Innsbrucker Bürger saßen, und sagte: Heut ist einer aus dem Amt Waldkirch übernacht. Das Gespräch kam sofort auf die Fasnacht in Waldkirch. Diese Herren konnten nicht genug darüber lachen, was sie einmal in Waldkirch auf dem Platz Baschi-Marei« sahen, ein mit Kränzen geziertes Schwein, das an einem Seil durch die Straße geführt wurde. Ich hatte es zu genießen, Essen, Südtiroler Rotwein und Übernachten frei und einen österreichischen Taler.« Der Baschi-Marei wurden einmal Hörner aufgesetzt, erzählte Frau Josephine Tritscheller, die alte Suggentäler Badwirtin, und sie im Zweispänner beim Fasnachtsumzug mitgeführt. Bei einem dieser Umzüge wurde auch der Naudiak in einem Käfig auf einen Wagen gesetzt und von allen Seiten gefüttert. Auch der Bezirkstierarzt Dr. Stahl soll einen guten Schuss Narrenblut besessen haben. Einmal sei er auf seinem Schimmel in die Gaststube des Suggentäler Badwirtshauses geritten. Mit dem Hochküfer zusammen war er lange Vorreiter der Waldkircher Fasnachtsumzüge. Das 19. Jahrhundert, das Jahrhundert, in welchem die Fasnacht in Waldkirch viele große und frohe Tage sah und, wenn auch in modischem Gewande, tiefe Wurzeln fasste, schloss ein der »Krakeelia« würdiger Umzug am 26. Februar 1900. Das Lokalblatt »Der Elztäler« schickte seinem Bericht eine Erinnerung über das Vereinsleben der »Krakeelia« in den letzten Jahren voraus, die als beherzigenswerte Mahnung an die Zeitgenossen gerichtet war. »Jahrelang musste Prinz Carneval, wenn er nach Waldkirch kam, jedes öffentliche Auftreten unterlassen. Seine besten und treuesten Untertanen waren ihm untreu geworden und bekannten sich nur in geschlossenen Gesellschaften zu ihm. Wagte er es doch hin und wieder auf der Straße zu erscheinen, dann war sein Gefolge ein so klägliches, dass er sich schleunigst beschämt und entrüstet zugleich wieder in die Abgeschlossenheit zurückzog.« Unter Theodor Högerichs Führung hatte der Narrenrat mit bewundernswertem Ideenreichtum, als wolle er das ganze vergangene Jahrhundert zurückrufen, eine Umzugsfolge zusammengestellt, die sich sehen lassen konnte. Wie üblich führte die Kläpperlegarde an. Dann kam die nie bezwungene, im letzten Heidicher Feldzug ausgezeichnete Waldkircher Bürgergarde. (Die Bürgergarde wurde in den 20er Jahren beim Exerzieren im Heizdach von den Denzlinger Bauern in die Flucht geschlagen.) Als Modell für die künftige deutsche Flotte wurde ein nach dem Sozialistenführer Bebel benannter Kriegsdampfer mitgeführt. Auch Hekker, Struve und ihre Getreuen von anno 48 waren vertreten, die Friedenskonferenz im Haag wurde als Prachtstück im Umzug gerühmt. »Da sahen wir in glänzenden Uniformen die Vertreter nicht nur der europäischen Großmächte, sondern auch solche aus Amerika und Asien (China). Selbst die Königin von England fehlte nicht. Ernst führten die Diplomaten ihre friedlichen Verhandlungen, zu welchen die aus jeder Ecke des Wagens hervorragenden Kanonenschlünde einen seltsamen Kontrast bildeten.« Auch Gambrinus, mit schäumenden Bierhumpen auf einem Riesenfass sitzend, war ebenso vertreten wie Dr. Eisenbart. Die Buntheit der Zugfolge bestätigte sodann eine Altweibermühle, die mit ihrem Drum und Dran allerlei Aufsehen erregte, Jugend fin de sieċle, fehlten nicht und natürlich war auch Seine Hoheit Prinz Carneval mit Prinzessin anwesend. In allem, eine großartige Folge. Theodor Högerich aber wurde hernach amtsmüde. Die Versammlung am 6. März wählte Kaufmann Josef Rau zum Präsidenten. Die Fasnacht 1901 brachte zwar keinen Umzug, hingegen aber findet sich erstmals im Protokollbuch ein Beschluss über die Herausgabe eines Narrenblatts. Ein großer Umzug kam erst wieder 1904 zustande. Inzwischen war auch ein Vorstandswechsel eingetreten. Am 21. Januar 1903 wurde Dekorateur Adolf Bechter zum Präsidenten gewählt. Der seitherige übernahm das Amt des Rechners. Große Reichtümer waren nicht zu verwalten. Dennoch kam der schon im Vorjahr erwogene Plan, das 39. Stiftungsfest mit einer Fahnenweihe feierlich zu begehen, zum Tragen. Die Vorbereitungen gingen nicht ohne Schwierigkeiten vor sich. Die Versammlungen waren jeweils nur recht mangelhaft besucht. Dennoch gelang ein großer Wurf. Zahlreiche Vereine, darunter der Turnverein, der Musik und Gesangverein und der Arbeiterverein von Kollnau sowie der Gesangverein von Gutach wirkten mit. Am Montag, dem 15. Februar war wie üblich Tagreveille, um 10 Uhr Empfang der auswärtigen Narren (die zum Großteil allerdings in Waldkirch beheimatet waren), 11 Uhr Festessen in der neuen Turn und Festhalle, 12 Uhr 61 Minuten: Aufstellung der Vereine auf dem Bums-Rums-Platz beim Centralbahnhof. Festakt mit Fahnenweihe war um 3 Uhr, dann setzte sich der Umzug in Bewegung. Gleichzeitig begann der Budenzauber auf dem Marktplatz und abends war Festvorstellung im Rebstocksaal.  - Rückkehr des englischen Königspaars 1912
Dann gönnte sich die »Krakeelia« wieder eine Verschnaufpause um zu warten, bis von der Bürgerschaft mehr Neigung gezeigt wurde, die Aufgaben des Narrenvereins tatkräftig zu unterstützen. Am 31. Jänner 1912 fanden sich endlich wieder ein paar Narren zusammen. Kaufmann Emil Bayer wurde zum Vorstand gewählt. Malermeister Josef Lorenz kam auf den Gedanken, an der kommenden Fasnet die Rückkehr des englischen Königspaares von der Kaiserkrönung in Indien aufzuführen. Wieder entstand ein großartiger Umzug. Der damalige Schriftführer hinterließ jedoch im Protokollbuch statt einer Schilderung nur den lakonischen Vermerk: »Näheres über das Aranschema ist aus dem beiliegenden Prokram ersichtlich«. Leider liegt es nicht mehr bei. Dafür berichtete der »Elztäler« am 22. Februar umso ausführlicher. Am 19. Februar 1912 besuchte das indische Kaiser- und englische Königspaar die Stadt Waldkirch, die den hohen Herrschaften einen prunkvollen Empfang bereiteten. bereiteten. Schon Vormittags zog vor dem Absteigequartier Hotel »Bären« eine Wache auf. Im Städtle herrschte reges Leben, das nach der Ankunft der Züge von Freiburg und Elzach sich erheblich vergrößerte. Punkt 2 Uhr setzte sich der Einzug vom Bahnhofplatz in Bewegung. An der Spitze der Feldmarschall, dem zahlreiche Festreiter folgten. Dann kam die Regimentsmusik (Musikverein »Arion«), Spielleute, die Ehrenkompanie und schließlich der Prunkwagen mit den Majestäten, die unter einem Baldachin thronten. Es folgten Würdenträger des indischen Reiches und 4 Hofequipagen. In einem reichverzierten Fuhrwerk saßen die Nordpolfahrer Peary und Cook. Es kam dann ein Wagen mit Prinzen und Prinzessinnen samt Dienerschaft. Der Turnverein stellte ein Heer von Gauklern und Fakiren. Auch eine holländische Teegesellschaft war vertreten. Den Schluß bildeten exotische Tiere, wie ein Elefant, ein Kamel, ein Königstiger usw. Um 4 Uhr waren die Hohen Herrschaften am Hotel »Bären« angelangt, wo hochdieselben geruhten zu dinieren.
Durch den letztjährigen Erfolg angespornt, wurde auch für 1913 ein Umzug geplant, erst Herolde, »dann Tammbor mit Kleberlegarte, Maßkirte Kinder unter Leitung des Herrn Duxlav (soll Dupslaff heißen), hierauf Musick dann Prinz u. Prinzeßin Carneval, hierauf Hofstat mit Gefolge«. Gar so großzügig gelang das Unternehmen zwar nicht, aber als ausgesprochener Kinderumzug kam dennoch eine erfreuliche Leistung heraus. Die Kläpperleumzüge hießen zu jener Zeit »Zapfenstreich«. Ein solcher war auch am 30. Januar. Bemerkenswert war, daß »Auser der Musick zwei Schaisen und ein Radauwagen dabei« waren. Der »Radauwagen« war ein vierrädriger Wagen, auf eine von Hand bediente Sirene angebracht war. Am l. Februar wurde in der Turnhalle das neue, von Vorstand Emil Bayer gedichtete, Kläpperlelied zur Melodie vom kreuzfidelen Kupferschmied eingeübt. Veranlassung zu diesem poetischen Erguß des Vorstands war das gestörte Sittlichkeitsempfinden einiger moralinsauren Gestalten aus der Waldkircher Hautevolee, deren feinem Empfinden nicht so sehr die Katze als der Schleidheim auf die Nerven ging. Ein Klärpperleumzug an der Fasnacht 1914 war für lange Zeit die letzte Fasnachtsaufführung. Es kam der I. Weltkrieg. Nach dessen verlustreichem Ende wurden von der Landesregierung jegliche fastnächtlichen Veranstaltungen verboten. Gemessen aber an jenen Ruhepausen während ruhigen Zeiten in früheren Jahren des Friedens und des Wohlstands waren nach dem Friedensschluß kaum drei Jahre vergangen, bis der Urnarr, der unverwüstliche Friseurmeister Gustav Braun am 28. Februar 1922 eine Schar Getreuer um sich versammelte. Drei Bäcker, zwei Wirte und der Böhler, ein durstiger Bildhauer, waren außer dem Narrenvater die einzigen Gäste. Das mutige Beispiel der Elzacher hatte die Waldkircher aufgerüttelt. Fasnachtsveranstaltungen waren immer noch allgemein verboten. Aber auch die Waldkircher wollten sich ihre Narrenrechte nicht nehmen lassen. Sie gingen dabei recht behutsam zu Werke. Kinder durften sich ohnedies maskiert auf der Straße zeigen. Der Verfasser war in seiner Schulklasse nicht der einzige Narr und so war aus der Quarta der Realschule bald eine Musikkapelle beisammen, die mit der Stärke von /// am Fasnetsonntag durchs Städtle zog. An den übrigen Fasnachtstagen aber wirkte ich mit bei der Geschützbedienung der von Bäckermeister Franz Meßmer, mit seinen Gesellen und Lehrlingen gebastelten Freischärlerkanone.
Im Inflationsjahr 1923 wurde das Geld ab, die Waldkircher Fasnet jedoch im folgenden Jahr aufgewertet. Das Verbot bestand unverändert weiter. Wieder waren es Bäcker, welche das närrische Licht anzündeten, ohne gegen die strengen Gesetze zu verstoßen. Ihrer Anfrage beim Bezirksamt, ob sie in Berufskleidung bzw. Frack und Zylinder auf die Straße dürfen, konnte nicht widersprochen werden. Der Mitwirkung der Knabenmusik stand ohnedies nichts im Wege. Hinter einer schwarzen Fahne marschierte diese am Fasnachtsonntag vor einem merkwürdigen Trauerzug. Bäckergesellen trugen auf einer Bahre den Sarg. Was darin war, blieb zunächst verborgen. Dann kamen die Meister, alle ohne Ausnahme, hochfestlich gekleidet und hinter ihnen auf Wagen Gesellen, Lehrlinge samt Kindern der Bäckerfamilien, wie aus der Backstube in strahlendem Weiß. Die Aufschriften an den Wagen verrieten, um was es ging: Der Kommunalverband sollte ein schauriges Ende nehmen. Es war es auch. Vor dem Marktplatzbrunnen machte der Zug halt. Die Bahre kam auf einen Scheiterhaufen, der Leichenprokurator August Wolfsperger, hielt die von Kaplan Josef Bierlox wohlgereimte Leichenrede und bald züngelten die Flammen an den letzten Resten der im Sarg gestapelten Brotmarken. Am 16. Januar 1925 bildete die »Krakeelia« wieder eine Vorstandschaft. Kaufmann Eugen Rau übernahm die Führung. Gustav Braun hatte diesmal den zündenden Funken für das nächste Umzugsthema: Großer Zigeunereinzug in Waldkirch. Mit über 20 Fuß und Wagengruppen war dem Umzug ein großartiger Erfolg beschieden, lockte viele Gäste in die Stadt und machte im weiten Umkreis von sich reden. Die »Krakeelia« gewann viele neue Freunde. Aber auch an Neidern fehlte es nicht, wie sich bald zeigen sollte.
Das Klima unter den Waldkircher Narren hatte sich erheblich verbessert. In der Versammlung vom 27. Januar 1927 war allseitige Mitwirkungsbereitschaft zu vernehmen. Nachdem die alte Narrenfahne abhanden gekommen war (was übrigens nur bedingt stimmte), fand zunächst wieder einmal die Weihe einer neuen Fahne auf dem Programm. Aber dieses nicht allein. Es lag etwas in der Luft. Der erste Akt des anhebenden Dramas spielte sich in Amtsstuben ab, in Waldkirch, Freiburg, Stapfen, Emmendingen, Müllheim, Donaueschingen, Karlsruhe und zuletzt in Villingen. Die Nachricht vom geplanten Fasnachtsumzug kam allem Anschein nach nicht allen, die davon hörten, ganz gelegen. Das Bezirksamt Waldkirch bat die Ämter der Umgebung um Stellungnahme, wie bei ihnen dieses Jahr karnevalistische Umzüge Erwachsener im Hinblick auf Zoff. 2 der Bekanntmachung des Ministeriums des Innern vom 23.12.26 in Nr. 300 der Karlsruher Zeitung - Staatsanzeiger - vom 27. 12. 26 verfahren werde. Auch der Landesverein Badische Heimat wurde um ein Gutachten gebeten. Das Ergebnis ist interessant und aufschlussreich zugleich. Alle befragten Bezirksämter, mit Ausnahme von Donaueschingen, berichteten, daß in ihrem Bereich keine karnevalistischen Umzüge mit historischem Charakter stattfinden würden. Donaueschingen berichtete, daß Umzüge in seinem Bereich historischen Charakter tragen und gegen ihre Zulassung keine Bedenken bestehen. Hermann Eris Busse, als stellvertretender Landesvorsitzender des Landesvereins Badische Heimat, bestätigte, daß es sich bei der in Waldkirch beabsichtigten Veranstaltung »um einen üblichen historischen Umzug« handelt. Inzwischen kam die Katze aus dem Sack gekrochen. Die Narrenzunft Villingen und die Vereinigung Bad. u. Württbg. althistorischer Narrenzünfte glaubten sich als privilegierte Wächter historischen Brauchtums dazu berufen, mit Schreiben vom 31. Januar 1927 dem Ministerium des Innern in Karlsruhe unter Vorlage eines Artikels der Waldkircher Volkszeitung vom 19. Januar mitzuteilen, daß das Vorhaben der Waldkircher mit »den von der Regierung für dieses Jahr gegebenen Vorschriften im Widerspruch« steht. Sie baten daher, »der Krakehlia« die Umzüge zu versagen, da sonst mit den Vorschriften der Regierung Mißbrauch getrieben wird. Weiter. Die Umzüge in Waldkirch würden der althistorischen Elzacher Fastnacht großen Schaden zufügen, ferner würde das Aufkommen der Krakehlia Waldkirch . . . eine Elzach schwer schädigende Konkurrenz bedeuten«. Das Bezirksamt Waldkirch wurde vom Ministerium zum Bericht aufgefordert. Am 15. Februar hielt der zuständige Referent, Regierungsrat Dr. Müller, vor dem Bezirksrat Vortrag über den Ministerialerlaß und die Stellungnahme der Badischen Heimat. Das Bezirksratsmitglied Adolf Rapp, Bürgermeister von Elzach, zeigte sich über diesen Vorgang sehr betroffen und gab folgende Erklärung ab: »Als Vorsitzender der Narrenzunft Elzach erkläre ich ausdrücklich, daß die Narrenzunft Elzach als solche mit der Beschwerde der Narrozunft Villingen gegen den von der ,Krakehlia Waldkirch' beabsichtigten Fastnachtsumzug nichts zu tun hat. Sie ist offenbar auf die Vorstellungen eines einzelnen Elzacher Bürgers zurückzuführen. Ich erkenne im Gegenteil den guten Willen der Waldkircher an, die ihren Zug, den sie früher am Fastnachtsdienstag abzuhalten pflegten, gerade mit Rücksicht auf die Elzacher auf Sonntag und Montag festgesetzt haben.« Der Bezirksrat stellte sich einstimmig hinter das Gutachten der Badischen Heimat.
Mit Erlaß vom 22. Februar 1927 Nr. 18726 setzte Minister Remmele das Bezirksamt Villingen und die Narrozunft Villingen in Kenntnis, daß die Narrenzunft Krakehlia Waldkirch als ein Verein mit Überlieferung anzusehen sei, so daß es sich bei der von ihr beabsichtigten Veranstaltung um einen üblichen historischen Umzug handelt. Gegen den diesjährigen Fastnachtsumzug sei nichts einzuwenden. Die Befürchtungen wegen der Elzacher Fastnacht seien unbegründet. Der Waldkircher Elferrat unterschrieb fröhlich triumphierend am 9. Februar das denkwürdige Protokoll, wonach »am 7. Februar 1927 vormittags 10 Uhr die »Krakehlia« Waldkirch vom Bad. Bezirksamt Waldkirch für »Historisch« anerkannt wurde. Zuvor aber, am 31. Januar, wurde das Umzugsprogramm in seinen wesentlichen Zügen zusammengestellt.
Dann kam am 17. Februar nach einem Umzug durch die Stadt in der »Arche« der feierliche Augenblick der Fahnen- bzw. Standartenweihe. Hermann Gäßler, der Bayersepplewirt, hielt die Weiherede. Die Standarte zeigte auf einer Seite ein von zwei Katern gehaltenes Wappen mit dem Bild der Kastelburg, darüber zwei Heringe. Auf der anderen das Porträt des I. Vorsitzenden Eugen Rau in einem nie getragenen Prunkgewand. Als Fahnenspitze hatte Josef Dopp einen Bajaßkopf mit der alten, nach vorne gebogenen Kappe, geschnitzt. Die Standarte jedoch malte Dekorationsmalermeister Josef Lorenz. Die Umzüge am 27. und 28. Februar übertrafen alle Erwartungen. Die vom Kath. Gesellenverein ausstaffierte Ranzengarde brachte Leben ins Städtle noch bevor die großen Feierlichkeiten begannen. Als Spitzenleistung darf, ohne die anderen Darbietungen in ihrem Wert zu schmälern, das Femegericht mit dem Ende des Waldkircher Lästermauls hervorgehoben werden. Die schaurigschöne Gerichtssitzung auf dem Marktplatz war eine Glanzleistung des Initiators Dr. Richard Vetter.
Die Fasnacht 1928 verlief im Städtle ruhig. Die einzige Unruhe rief ein Kanonenschlag hervor, den der Narrenvater Braun vor der Wohnung von Professor Wendling, einem erklärten Fasnachtsgegner, losgefeuert hatte. Erstmals nach langer Zeit kam in diesem Jahr im Elferrat der Gedanke in Erwägung, den Bajaß, den alten Laufnarren, wieder aus der Vergessenheit hervorzuholen. Dr. Richard Vetter und Wilhelm Hartmann waren die geistigen Väter für den 1929 durchgeführten Umzug: Waldkircher Handwerk anno dazumal. Tatsächlich stellten sich die Waldkircher Handwerkerinnungen mit viel Begeisterung zur Verfügung. Am Sonntag und Montag bewegte sich ein farbenprächtiger Umzug mit 19 originellen Gruppen in stilechten Kostümen durch die mit Tausenden von Zuschauern umsäumten Straßen. Die Aufführungen des Dr. Eisenbart (Dr. Vetter) boten ein Fasnachtsspiel bester Art von kaum überbietender Originalität.  - Fasnetsspiel Dr.Eisenbart 1926
Willi Hartmann, der unter Eugen Rau 1928 Zeremonienmeister war und die Geschäfte führte, setzte sich mit Nachdruck für die Wiedererweckung der alten Narrengestalt ein. Die Einführung der 11UhrMesse, damals Krutsäckelversammlung genannt, geht ebenfalls auf ihn zurück. Hartmanns kurzes Gastspiel als Vorstand von 1930/31 schuf wertvolle Ansätze für einen Auftrieb der Zunft. 1931 trat ein neuer Führungswechsel ein. Kunstmühlenbesitzer Wilhelm Seifried kam an die Spitze der Zunft. Als sein Adlatus und Initiator stellte sich Studienrat Oskar Wahl zur Seite. Mit einem Stab zielbewußter Mitarbeiter begann unter der neuen Führung eine durchgreifende Reorganisation der Zunft. Neue Satzungen, eingeschriebene Mitglieder und eine Straffung der Verwaltung bildeten merkliche Ansätze für eine Verfestigung und bereiteten eine solidere Grundlage für den Ausbau des Zunftwesens. Es wurde angeregt, eine Bürgergarde ins Leben zu rufen. Der Plan, ein Heimatmuseum zu schaffen, blieb nicht im Gestrüpp behördlicher Verzögerungstaktik stecken, sondern wurde ohne viele Worte verwirklicht. Dank des Entgegenkommens von Elferrat Stanislaus Göppert konnten Räume beschafft werden. Der Aufbau ging so zügig vor sich, daß am 6. Dezember 1931 die Narrenzunft das Museum im Hause Neue Elzstraße l dem künftigen Leiter, Professor Hermann Fischer, übergeben und durch diesen in die Obhut der Stadt Waldkirch gelegt werden konnte.
Die Fasnacht 1932 verlief ohne größere Veranstaltungen. Kläpperleumzüge wie sie von altersher stattfanden und die Herausgabe der Narrenzeitung gehörten zum festen Bestand der Fasnacht. An die 11UhrMesse wurde die Abhaltung eines Narrengerichts angeschlossen, das von da an alljährlich das den Narren zustehende Rügerecht vor einer großen Männerversammlung ausübte.
Bei einem Unterhaltungsabend der Stadtmusik am 11. Februar 1933 kam ein neuer Narrenmarsch zur Uraufführung, zu dem Bürgermeister Eberle den Text und Musikdirektor Hornauer die eingängige Musik geschrieben haben. Die Eröffnung der Fasnacht 1933 brachte am Schmutzigen Dunschtig insofern eine allseits freudig entgegengenommene Überraschung, als an diesem Tage der alte Laufnarr wiedererstanden war. Dr. Vetter war Kostümberater das nach einem alten Kleid, das er als Kind getragen hatte, hergestellt wurde. Unverständlich bleibt der Beschluß des Elferrats, den alten Namen »Bajaß« zu verleugnen und statt dessen den Narro »Naudiak« zu nennen, ein Name, der mit der Fasnacht in keiner Weise etwas zu tun hat. Dieser Fehlgriff war nur möglich, weil der Elferrat im Grunde ein Herrenstammtisch war, dessen Mitglieder von der alten Waldkircher Fasnet kaum eine Ahnung hatten, aber durch Oskar Wahl angeregt, entschlossen waren, altes Waldkircher Brauchtum neu zu beleben. Die Herren verhielten sich zumeist nach außen hin sehr reserviert. Um närrisches Wesen von sich zu geben, stellten sie einen Spaßmacher an, der den nichtssagenden Namen »Krutsäckel« trug und jedes Jahr neu gewählt wurde. Selten entsprach einer den gehegten Erwartungen. Mitunter wurde bei Eignung der »Krutsäckel« nach seinem Amtsjahr in den Narrenrat aufgenommen. Der »Krutsäckel« zählte nicht zu den Waldkircher Narrenfiguren. Neuerdings wurde dieses Amt aufgehoben. Auch eine Bürgergarde, aus einem Leutnant, 2 Tambouren, l Fähnrich und 5 Mann bestehend, stellte sich von diesen Herren veranlaßt, vor und wurde allgemein freudig begrüßt. Außerdem hatte Musiklehrer Heinrich Kürner einen Narrenmarsch gedichtet und komponiert, der am Schmutzige Dunschtig beim Kläpperleumzug seine Uraufführung erlebte! Noch im gleichen Jahr fand der Ausbau der Bürgerwehr, deren Ausgliederung aus der Zuständigkeit der Narrenzunft und Überführung in die Vereinigung badischer Bürgerwehren und Milizen statt. Zum 11.11. legte Bildhauer Josef Dopp zwei Muster der von ihm entworfenen und gefertigten Holzlarven vor, die gutgeheißen und zur Einführung empfohlen wurden. Entgegen aller närrischer Übung wurden männliche und weibliche »Naudiake« eingeführt, letztere in Röcken. Dies wiederum als Folge von Unkenntnis. Daher gab es männliche und weibliche Larven. Die Narrenzunft »Krakeelia« stellte zum zweiten Mal Antrag auf Aufnahme in der Vereinigung schwäbischalemannischer Narrenzünfte. Sie fand diesmal Gnade. (Der erste Aufnahmeantrag im Jahre 1924 war unbeantwortet geblieben.) Unter Oskar Wahl, als dem neuen Vogt, nahm der Aufstieg der Zunft seinen Fortgang. Mit dem großen Umzug unter dem Motto: »Das deutsche Märchen« war 1934 wieder einmal ein großer Wurf gelungen. Originalität und Farbenpracht zeichneten die 23 Gruppen in gleicher Weise aus. Und um ihren Landsmann zu ehren, der jetzt als Vogt der Waldkircher Zunft vorstand, kam am Fasnetmontag die Nachbarzunft von Elzach nach Waldkirch zu Besuch.
Am 20. l. 1935 nahm die Narrenzunft erstmals an einem Narrentreffen teil, das in Offenburg abgehalten wurde. Auch 1936 war die »Krakeelia« beim Narrentreffen in Oberndorf a. Neckar mit einer starken Abordnung vertreten. Erstmals wurde in diesem Jahr die Fasnacht am Schmutzigen Dunschtig auf dem Marktplatz feierlich eröffnet. Direktor Dr. Josef Dierberger war der Dichter und Musiklehrer. Heinrich Kürner der Komponist des Liedes der Narrenbüttel. Der »Zirkus Krakeelia« beherrschte mit seinen Umzügen und Aufführungen am Fasnetsonntag und Montag das Bild der Stadt. Wieder zeichnete sich im Programm eine ungewöhnliche Reichhaltigkeit ab, die erfreulicherweise auch hielt was sie versprach. Selbst das »Ungeheuer von Loch Neß«, das zu jener Zeit viel Druckerschwärze verschlang, fehlte nicht unter den vielen Merkwürdigkeiten. Still und ohne großes Aufheben war auch eine neue Standarte entstanden, die August Fackler mit dem Zeichen der Narrenzunft auf der einen und dem Stadtwappen auf der anderen Seite, geschaffen hatte. Zu Anfang des Jahres 1937 mußte Oskar Wahl aus gesundheitlichen Gründen das Amt des Vogtes niederlegen. Gärtnermeister Josef Maier regierte von da an als Josef I. die Narrenzunft. Der Umzug des Jahres: »Waldkirch, was sein Herz bewegt«, erreichte zwar nicht das Niveau der vergangenen Jahre, fiel aber dennoch recht originell aus. Ohne nach außen stark in Erscheinung zu treten, war der Elferrat in eine Krise geraten. Viele Herren waren sich bewußt geworden, daß ihr Statistendasein nicht in das Leben einer aufstrebenden Narrengesellschaft paßte. Es war der Geschicklichkeit des neuen Vogtes überlassen, nach dem 11.11. die entstandenen Lücken im Rat durch neue, junge Kräfte zu schließen. Oskar Wahl stand als Narrenvater immer noch helfend zur Seite. Größere Veranstaltungen konnten 1938 nicht stattfinden.
Bei einem Fasnachtsmarkt wurde 1939 eine neue Form der Fasnachtsaufführungen versucht.
Als Neuerung auf dem Weg der Wiedereinführung alter Brauchstumsformen wurde die Verwendung von Holzklappern propagiert und mit gutem Erfolg verbreitet. Der Vogt, selbst ein Meister in diesem Fach, war gutes Vorbild. Die Klappern mit dem »Bleibollen« erst in den Jahren vor dem I. Weltkrieg hergestellt und wurden, da sie keinerlei Kunstfertigkeit in der Handhabung erforderten, von vielen Kindern bevorzugt.
Durch Entgegenkommen der Eigentümer, Gastwirt Julius Heizmann und Weinhändler Carl Bayer, konnte im Dachgeschoß der ehemaligen Stiftsscheune Kammer und Archiv der Narrenzunft eine schöne und weiträumige Unterkunft finden. Die Hauptversammlung am 11. Februar bot, noch mehr wie im vergangenen Jahre, das Bild eines gelungenen Narrenabends. Der alte Brauch des Moritatensingens wurde wieder aufgenommen. Der Kläpperleumzug am Schmutzigen Dunschtig wies eine Rekordbeteiligung auf. Mangels hinreichender Unterstützung konnte am Sonntag kein Umzug zustandegebracht werden. Statt dessen gelang es der Narrenzunft, die Jungfernfasnet mit dem Scheibenschlagen am Sonntag Lätare neu zu beleben.
Dann kam der Krieg. Von den Räten wanderte einer nach dem ändern zur Wehrmacht. Am 11. 11. 1939 vertagte sich der Narrenrat auf unbestimmte Zeit. Die Verbindung zwischen Front und Heimat blieb aber aufrecht erhalten.
Die Tage und Monate nach der totalen Niederlage kamen mit Not und Bedrückung auf, lahmten die Gemüter und ließen die Geister des Frohsinns nicht aufkommen. Nicht als ob die Franzosen den Fasnachtsbräuchen feindselig gegenüber gestanden hätten. Im Gegenteil. Das zeigte sich an der Fasnacht 1946, als am Schmutzigen Dunschtig die Kinder einen mehr oder weniger wilden Kläpperlezug inszenierten. Man merkte es; viele unter ihnen kannten Fasnacht nur vom Hörensagen, aber der Reiz des Neuen, Ungewöhnlichen, zog viele an. Von den Narrenräten waren fast alle heimgekehrt. Einer befand sich noch in Gefangenschaft.
Mit Zustimmung der Militärregierung fand am 17. Februar 1947 die Wiedereinführung der Narrenzunft statt. Josef I. trat wieder an die Spitze. Die Not war immer noch groß. Größer aber war der Wille, sie zu bezwingen. 1948 kam am Schmutzigen Dunschtig schon ein organisierter Kläpperlezug zustande, der erste seit neun Jahren. Auch Kinder der Besatzungstruppen nahmen daran teil. In einem kleinen Rahmen, aber in alter Frische, tagte am Fasnetmontag im »Stadler« erstmals wieder die 11UhrMesse. Auch für die Waldkircher Fasnet war ein neues Morgenrot angebrochen, vorläufig allerdings noch mit Kohldampfuntermalung.
Mit der Fasnet 1949 begannen sich auch bei der Narretei wieder normale Formen anzubahnen. Eine alte verloren geglaubte Standarte der »Krakeelia« wurde aus dem Besitz des alten Spitzenreiters, Küfermeister Josef Hoch, der Zunft zugestellt. Der dreizehn Jahre unter falschem Namen lebende Laufnarr erhielt seinen alten Namen »Bajaß« wieder zurück.
Schon der Kläpperlezug am Schmutzigen Dunschtig ließ den Anbruch besserer Zeiten erkennen. Bäcker und Metzger hatten wie früher wieder Wurst und Wecken für die Kläpperlegarde zur Verfügung gestellt. Es waren jeweils 1000 Stück. Sie reichten aber nicht aus. Aus der Umgebung der Stadt waren die Kinder zugeströmt. Es waren ihrer gut 1200. Erstmals wieder eröffnete Josef I. von seinem Ochsenkarren aus auf dem Marktplatz die Fasnet. Die Elfimeß fand bei zünftiger Stimmung und beängstigender Enge in dem seit den Kriegszeiten abgetrennten hinteren Teil des Rebstocksaales statt. Bei der Hauptversammlung der Vereinigung schwäbischalemannischer Narrenzünfte in Villingen stellte sich heraus, daß deren Präsident wieder wie vor Jahren, die im Vorjahr ergangene Wiederanmeldung angeblich vergessen hatte. Bei Josef Fischer, dem Präsidenten, scheint die alte Animosität gegen die Waldkircher wiedererwacht zu sein, als er 1926 das Wiedererstehen der Waldkircher Fasnet zu verhindern suchte und dabei eine Niederlage erlitt. Zunehmender Fortschritt zeigte sich Anno 1950, als es endlich gelang, für die Zunft eine Drehorgel zu erwerben. Am 7. Januar war die Einweihung. Aber aller Segen half nichts, als die Polizei sie als Diebesgut beschlagnahmte. Die Narren mußten schauen, daß sie ihre sauer verdienten Kreuzerchen zum Kauf einer legal käuflichen Orgel retten konnten. Die Gelegenheit ließ nicht lange auf sich warten. Das erworbene Instrument war aber leider kein Waldkircher Fabrikat sondern ein Erzeugnis von Bacigalupo-Söhne, Berlin. Am 10. Jänner war sie da. Am 22. Januar fand ein großes Narrentreffen in Radolfzell statt. Der Narrenrat trat in weißen Hemden mit Zipfelmütze auf und führte die starke Waldkircher Abordnung an. Selbst Bürgermeister und Stadtpfarrer fehlten nicht. Statt der bisher üblichen rheinischen Komitemützen wurden weiße Zipfelmützen nach altem Vorbild, mit Pelz verbrämt, angeschafft. Schon 1939 wurde statt der Bezeichnung Elferrat der passendere und früher gebräuchliche Narrenrat gewählt. Erstmals übergab am Schmutzigen Dunschtig 1950 der Bürgermeister nach dem Ansingen der Fasnet vom Rathausbalkon den Stadtschlüssel in feierlicher Form dem Vogt. Nach dem gelungenen »Krakeeliaball« am Fasnetsamstagabend fand am Sonntag um 11 Uhr die feierliche Eröffnung der Elztalbahn statt. Sie gehörte mit zum Motto des Umzugs, des ersten nach dem Krieg mit dem Motto: »50 Jahre Zeitgeschehen«. Die Lokomotive mit einem Personenwagen, eine Schöpfung des Kegelclubs »Richardo«, führte Fahrten aus durch die Stadt und ersetzte in den Fasnachtstagen in Waldkirch die immer noch fehlende Straßenbahn. Mode, Sport, Motorisierung, der Einzug des Negus von Abessinien, die Entnazifizierung und sonst noch Einiges bewegte sich über die Straßen. Zur Elfimeß stand wieder der ganze Rebstocksaal zur Verfügung. Er war bis auf den letzten Platz besetzt.
Am 13. Januar 1951 nahm die Zunft am Narrentreffen in Stockach teil. Die Möglichkeit, einmal, ohne straffällig zu sein, eine Nacht im Gefängnis verbringen zu dürfen, dabei mit dem Hausschlüssel versehen zu sein, machte allein schon die Reise wert. Die mit der Stadtmusik aufmarschierte Zunft wirkte unter der großen Zahl der Narren imponierend. Kläpperlezug und Moritatensänger wurden vom Südwestdeutschen Rundfunk aufgenommen und ihr Auftritt am Fasnachtdienstag gesendet. Zum ersten Mal wurde, um der Fasnacht einen närrischen Abschluß zu geben, am Dienstagabend die Fasnetauf dem Marktplatz mit Heulen und Wehklagen feierlich verbrannt und der Stadtschlüssel wieder an den Amtsbürgermeister zurückgegeben. Es war dies die letzte Amtshandlung Josefs I. Am 11. 11. sah er sich veranlaßt, wegen angegriffener Gesundheit sein Amt niederzulegen. Nachfolger im Amt des Vogtes wurde der seitherige Zeremonienmeister Hermann Rambach. 1952
Im »Narrenspiegel« von 1952 erschien am Fasnetsonntag früh der Stapellauf des ersten Stadtrainseedampfers. Dem Taufakt folgte die Jungfernfahrt zur »Johlia vom Vögelestein« in Gutach. Der Bau des beachtlich großen Amphibienfahrzeuges war eine Glanzleistung des Sportvereins Waldkirch. Re und Entmilitarisierung und andere politische und unpolitische Aktualitäten spiegelte unter anderem der nachmittägliche Umzug.
Noch ehe im Herbst die kommende Fasnacht ihre Schatten warf, mußten die Waldkircher Narren in Elzach ihrem verstorbenen Narrenvater das letzte Geleit geben. Am 9. Oktober 1952 wurde Oskar Wahl auf dem Friedhof seiner Heimat zur letzten Ruhe gebettet. Ein heimtückisches Leiden hatte den Reorganisator und unermüdlichen Freund und Mitarbeiter der Narrenzunft allzufrüh den Seinen entrissen.
Durch Ratsbeschluß wurde festgelegt, daß künftig der Rat bei allen Anlässen, mit Ausnahme der nächtlichen Veranstaltungen (Umzug ins Zunftlokal, Zunftabend und am Schmutzigen Dunschtig), im Bajaß erscheint. Als Anführer der Laufnarren wurde Jost Trischeller zum Oberbajaß bestellt. Statt des bedruckten Stoffes, der das Häs leblos und billig machte, wird in Zukunft zur Herstellung der Bajaßkleidung blauer und gelber Wollfilz Verwendung finden, der in Rauten geschnitten, auf Kappe, Kragen, Kittel und Hose aufgenäht wird.
Kläpperliwettbewerb
1953
Auf Anregung von Emil Pius Stocker am Mittwoch vor dem Schmutzigen Dunschtig fand in der Turnhalle ein Kläpperlewettbewerb statt. Zahlreiche Preise, von der Waldkircher Geschäftswelt für diesen Anlaß gestiftet, standen bereit. Die Premiere war ein voller Erfolg. Ungefähr 300 Kinder unterzogen sich der Prüfung, bei welcher natürlich nur Holzklappern nach altem Muster zugelassen waren. König und Königin wurden Wolfgang Fix und Marlis Rambach. Nasser Schneematsch bedeckte die Straßen. Dennoch fand sich am Schmutzigen Dunschtig eine kaum übersehbare Kinderschar mit vielen Alten zur Fasnachteröffnung auf dem Marktplatz ein. Nach den Übergabezeremonien wurde das Kläpperlekönigspaar feierlich gekrönt. Bei heftigem Schneegestöber fand der Kläpperlezug statt, nahm aber einen kürzeren Weg wie sonst und endete, wie üblich, in der Turnhalle, wo Wurst und Wecken der wackeren Kinderschar verabreicht wurden. Freundlicher ließ sich der Sonntag an. Zu vormittäglicher Stunde versammelte sich viel närrisches Volk auf dem »Forum Naudiacum« um an der Eröffnung der Transeuropadiagonalbahn, kurz »Treudibahn« teilzunehmen. Vertreter aller Staaten, von Gibraltar bis Finnland, waren erschienen, um in ihrer Landessprache die Glückwünsche zu erbringen. Der große Schienenzepp startete sodann mit dem Kollnauer Bürgermeister an Bord nach Schindlerfingen (Kollnau) und Gutach, wo spontane Begrüßungsfeierlichkeiten stattfanden. Beim Umzug am Sonntag und Montagnachmittag waren dann noch die zum Bahnbau notwendigen technischen Einrichtungen, einschließlich der Betriebskantine, zu sehen. Der Sportverein, der Bau und Betrieb des modernen Zuges übernommen hatte, bewies wiederum, was in frohem Tun vereinte Kräfte zu leisten vermögen.
1954
Bei der Hauptversammlung der Vereinigung schwäbischalemannischer Narrenzünfte am 17. Januar 1954 wurde die Zunft in den Beirat des Präsidiums gewählt. Die Generalversammlung, die alljährlich den Auftakt zur allgemeinen Fasnacht darstellt, wurde auch 1954 zu einem großen Erfolg. Am l. Februar war man in Zell/Harmersbach und am 7. in Donaueschingen bei Narrentreffen. Die Fasnet am Ort brachte die üblichen Veranstaltungen, verlief aber ruhiger als sonst.
»90 Jahre Krakeelia«
1955
»90 Jahre Krakeelia« war die Losung für das Jahr 1955. Mit einem Zunftabend im Kreuz-Saal wurden die Feierlichkeiten eingeleitet. Der Rahmen der früher bei den Generalversammlungen üblichen Darbietungen wurde erweitert. Karl Steuer von Konstanz war mit Edith Ericke erschienen und öffnete alle Schleusen seiner Darstellungskunst. Glanzpunkt der Jubiläumsfeier, Muster und Vorbild für künftige Zunftabende. Aber auch die Krakeelianer ließen sich etwas Neues einfallen. Der Narrenrat verwandelte sich unter dem Zauberstab von Fridel DemmlerButz in eine Ballettgruppe. Das Übel der Raumnot trat in erschreckender Weise in Erscheinung. Selbst Gäste und Gratulanten saßen eingezwängt in fürchterlicher Enge. Noch ein volles Jahrzehnt sollte diese Misere fortdauern.
1956
Die am 11.11. entsandte Tierfangexpedition kehrte termingerecht zurück und brachte reiche Beute mit. Kein Wunder, wenn der Empfang am Fasnetsonntagmorgen schon Leben ins Städtle brachte. Auch die hübschen Schwarzen, die leichtbekleidet sich in der Manege tummelten, konnten gefallen und selbst vor ihren kannibalisch anmutenden Beschützern wich bald jede Furcht. Allerlei Blitzlichter aus dem Zeitgeschehen vervollständigten die Reichhaltigkeit des Umzugs.
Nach der Teilnahme am Narrentreffen in Riedlingen/Donau am 28. und 29. Januar 1956, das in einem herrlichen Schneegestöber endete, wurde am 9. Februar bei grimmiger Kälte auf dem Marktplatz die Waldkircher Fasnet in üblicher Weise und in ungeminderter Teilnehmerzahl eröffnet. Erfreulich war auch in diesem Jahr wieder das Auftreten von Gruppen schnurrender Frauen, die mit viel Fantasie in der Aufmachung und gesundem Humor, wo sie hinkamen, fröhliche Stimmung verbreiteten. Erfreulich war ferner, daß die oft zwielichtigen Gestalten in Dominoverkleidung fast völlig aus dem Bild der Fasnet verschwunden sind und Leute, die sich bisher gedankenlos dieser eintönigen Maskerade bedienten, für ihre Verkleidung andere Wege fanden. Als ständiges Zunftlokal wurde das Hotel zur Löwen-Post ausersehen und dort die Bierstube zum »Futtergang« mit den Bildern der Narrenzunft geschmückt. Außerdem wurde der Stadtmusik eine passende Uniform verpaßt, blaue Schirmmützen und blaugelbe Blusen in gegenseitig versetzten Farben.
Zunftabende
1957
Die Zunftabende, welche seit dem letzten Jahr die Krakeelia in eigener Regie und ohne fremde Hilfe ausschließlich mit eigenen Leuten aufführte, erfreuten sich steigender Beliebtheit und Zustroms. Platzkarten waren gefragt. Günstige Plätze waren nur nach Schlangenstehen erhältlich. Schon in der Morgenfrühe setzte ein Sturm auf die Kartenabgabestelle ein, den der Hohdreier mit seinem ganzen Schirmlager kaum abzuschirmen vermochte. Der Rebstocksaal wurde zur Sauna. Das Narrentreffen am 16. und 17. Februar 1957 in Schwenningen/Neckar brachte Abkühlung dabei besonders der kilometerlange Umzugsweg. Auf dem Heimweg saßen alle frohvereint in der »Krone-Post« in Altsimonswald. Unerwartet wurde unser Büttel Alfred Mutschier durch einen Herzinfarkt hinweggerafft. Der schön verlaufene Tag brachte ein betrübliches Ende. Am ersten Märzsonntag leuchteten die unten Farben der Bajasse in der wohltuenden Frühlingssonne. Morgens fand auf dem Marktplatz die Grundsteinlegung der neuen Festhalle statt. Auch der von den Amtspflichten beurlaubte Bürgermeister nahm daran teil und führte kräftige Hammerschläge. Vorausschauend, wie Narren sind, hatten sie die Schwierigkeit der Platzfrage spielend dadurch gelöst, daß sie mit Hilfe des Sportvereins eine fahrbare Halle bauten mit Restaurant und allem neuzeitlichen Komfort. Kopf an Kopf, mit und ohne Abzeichen, standen die Gäste am Straßenrand, als der »Narrenspiegel« in Wagen und Fußgruppen hinter der imposanten »Narrhalla« einherzog.
Die Alten Jungfern gediehen ganz prächtig, wobei ihnen der Rebstockwirt Richard Bayer, der Jungfernvater, nicht selten Hormonspritzen aus seinem Weinberg verpaßte. Die neue »historische« Gruppe war inzwischen zu einem festen Bestandteil der Narrenzunft geworden.
Für 25jährige Treue zum. närrischen Reich wurden von jetzt an alle Narren mit einer kunstvollen, von Erwin Krumm, Denzlingen, geschaffenen Plakette geehrt. Bajaß und Kater verdeutlichen die Charakteristiken der Fasnet, die Kastelburg im Hintergrund den Ort der Handlung. Zur Leichenverbrennung waren am Fasnetdienstagabend auch die Emmendinger Narren erschienen. Ihr Geheul war nicht weniger herzzerreißend als das der Waldkircher.
Unterm Jahr starb einer aus dem Waldkircher Stadtrat. Der Nachschub kam (auf durchaus legale Weise) aus den Reihen des Narrenrats in der Person des Zeremonienmeisters Emil Künstle. Es sollte sich bald zeigen, daß diese Auffrischung aus lebendigen Adern dem Gremium der »Wohlweißen« von Nutzen wurde. Gleichzeitig gehörte auch der Säckelmeister Erwin Lorenz dem Gemeinderat an.
1958
Mit den Zunftabenden am 18. und 19. Januar ging es hinein in die Fasnacht 1958. Man spürte, die Mannschaft, unter der sich auch ganz reizende Balletnixen befanden, kommt gut in die Kurve. Eine von den Mitgliedern des Narrenrats inszenierte Modeschau war der Clou des Abends. |