Die Kandelhexe

Hexensabbat in Waldkirch

Gegründet 1974, sind die Kandelhexen aus dem Fasnetsgeschehen der Stadt Waldkirch nicht mehr wegzudenken. Höhepunkt ihrer Aktivitäten ist ohne Zweifel der Hexensabbat, der alljährlich mehrere tausend Zuschauer auf den Marktplatz lockt. Eingeleitet durch den Hexentanz, vollzieht die ganze Hexenschar der Narrenzunft Krakeelia ihr schauriges Schauspiel, bei dem die neuen Mitglieder der Hexengruppe aufgenommen werden. Im Mittelpunkt der Handlung, auf einem Podium stehend, vollzieht der Teufel als Anführer der Hexen diese Wandlung unbescholtener Männer zu Hexen. Bei Fackelschein und Feuerwerk, umrahmt von teuflischen Sprüchen und den Klängen der Stadtmusik Waldkirch, zeigt sich einmal mehr Waldkirchs Marktplatz als eine stimmungsvolle Kulisse für solche Darbietungen.

 

Auszug aus dem Buch "Fasnet in Waldkirch"

(Hrsg. Narrenzunft Krakeelia Waldkirch):

Die Hexe

Die Gestalt der Fasnethexe war schon immer in ihrer Beziehung zur historischen Fasnet sehr umstritten. Dessen ungeachtet nahm auch die "Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte" Hexengruppen in ihre Reihen auf. Von Narrentreffen zu Narrentreffen konnte eine Vermehrung von Hexen auch bei den "Historischen" beobachtet werden. Der Grund der Beliebtheit der Hexen ist unschwer zu erkennen. Durch tolles "Herumtöbern" (Herumtollen) und durch affenartiges Erklettern von Bäumen und Hausfassaden fielen solche Narren bei allen Umzügen auf. Auch wenn solche Kapriolen wenig mit den Zielen der Vereinigung in Einklang standen, brachten die munteren Springer Leben in das Bild der gemessen daherschreitenden anderen Narren.

 

Hiervon beeindruckt wurden auch in den Reihen des Waldkircher Narrenrats Stimmen laut, es anderen nachzutun. Weshalb auch nicht, liegt doch in ihrer Gemeinde der Kandel, der geschichtliche Hexenberg des deutschen Südwestens. Auf dem Richtplatz der Stadt rauchten oftmals Scheiterhaufen und wurden Hexen nicht nur einzeln, sondern auch in Gruppen hingerichtet. Unter den Initiatoren dachte jedoch niemand an den Holokaust des späten Mittelalters. Vielmehr kamen zu den bekannten Gründen noch solche hinzu, die tatsächlich auf alte Fasnetsbräuche am Ort zurückzuführen sind. Sich an Fasnet zu verkleiden war besonders bei Kindern alter Brauch. Meistens kamen diese nicht aus wohlhabenden Familien und konnten sich keine teuren Kostüme leisten. Also schlichen sie, sobald Dreikönig vorüber war, auf den Speicher und durchwühlten Kästen und Truhen nach alten ausgetragenen Kleidern. Dort lagen Röcke, Jacken, Schürzen und auch mancherlei Kopfbedeckungen. Bald fing es, zunächst in den hinteren Gassen, zu rumoren an. Da schlüpften sie hervor in den komischsten Verkleidungen und mit lautem Geschrei.

 

Die Hexe aus der Märchenwelt war ihr Vorbild und dorther kam auch die Vorstellung einer entsprechenden Verkleidung. Sie schrieen "Hoorig isch die Katz" und "Schleitheim dän .. ". Die sie umgebenden Kinder aber: Hex, Hex, Ofeloch, het kei gute Kaffee kocht! Walter Glaser, seinerzeit Narrenrat in der Krakeelia, trat in den späten Sechziger-Jahren beim Zunftabend der Krakeelia als "Kandelhexe" auf und wusste viel von dem, was er übers Jahr in der Kandelstadt gesehen hatte, aus der Sicht der Hexe zu berichten. Von seiner Frau Otti stammt der Ruf "Hexe, Hexe, stelze, kumme rab vum Kandelfelse!". Bald schon wuchs im Kreis der Zunftverantwortlichen der Wunsch nach einer Narrengestalt dieser Art, die als Hästräger, vor allem für die Männerwelt, der Krakeelia neue Attraktivität verleihen sollte.

 

Die Hexenmacher nahmen ihre Aufgabe sehr ernst. Das neue Häs mußte sich deutlich von dem anderer gleichartiger Gruppen unterscheiden. Auch hatte von vornherein nicht jeder den Vorzug, unter die Kandelhexen aufgenommmen zu werden. Am Fasnetsamschtig, dem 8. Februar 1975 versammelten sich erstmals die Waldkircher Kandelhexen zum Hexensabbat auf dem Marktplatz. Mag einer denken was er will, fest steht, daß das Interesse und die Begeisterung fürs Fasnetmachen unter den jungen Männern der Stadt gegenüber früher erheblich gestiegen war. Die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte hatte in ihrer Sitzung am 17. Januar 1976 die neugeschaffene Maskengestalt "Kandelhexe" genehmigt.

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